Heerlager auf dem Mittelalterlichen Phantasie Spectaculum

Der Tüfter

Die in the waves or live on your knees.
Balthasar

Piratenname: Nathan
Jahrgang: 1990

Ueber mich:
Geboren wurde ich als James Nathaniel Rutherford in einem großen Anwesen in Hastings. Als einziger Sohn einer Adelsfamilie, war meine Kindheit geprägt vom lernen der Höflichkeitsformeln und dem Studium in Weltgeschichte. Freunde hatte ich nicht wirklich gehabt und meine Eltern habe ich auch nur selten gesehen. Der Kontakt nach außen hin wurde mir verwehrt. Es war jedes mal sehr aufregend, wenn meine Eltern Besuch von außerhalb bekamen. Ich liebte es ihnen zuzuhören um zu erfahren, was außerhalb unserer Mauer von sich geht. Das einzige Kind, mit dem ich Kontakt hatte, war Katherine, die Tochter meiner Nanny. Sie brachte sie manchmal mit, da wir im gleichen Alter waren. Meine wenige Freizeit habe ich mit ihr verbracht. Das was uns verboten wurde, haben wir erst recht vorgenommen. Dies hatte zufolge, dass die Küche einmal fast abgebrannt ist, unsere Pferde ausgerissen waren und ich beinahe in unserem Brunnenschacht ertrunken bin. Als mein Talent im entwerfen und Basteln von Fabrikaten und Geräten entdeckt wurde, wurde der beste Magister Technikus des Landes zu uns gebracht, um mich zu lehren. Ich war bereits zehn Jahre alt und mit meiner Kindheit war es schlagartig vorbei. Freizeit gab es nicht mehr, nur noch das Studium mit meinem Lehrmeister.

Jahre vergingen und ich fand gefallen an dem, was ich erschaffen konnte. Doch das ich Katherine nicht wieder sehen durfte und mit meinen Basteleien nichts anfangen konnte, warf einen Schatten auf alles. Ich habe das Haus nur sehr selten verlassen dürfen und selbst dann, musste ich auf dem Grundstück bleiben. Ich war ein Gefangener, in den eigenen Mauern. Trost fand ich nur abends, als ich endlich alleine in meinem Zimmer war und durch mein selbstgebautes Teleskop aufs Meer hinaus schauen konnte. Die endlose Weite betrachten und für einige Augenblicke weit weg sein.

Mit 17 war ich meinem Lehrmeister in nichts mehr unterlegen. Ich verbrachte inzwischen mehr Zeit mit ihm, als mit meinen Eltern. Ich saß gerade vor dem Zeichenbrett meine Tür aufsprang und Katherine in meinem Zimmer stand. Wir hatten uns Jahre nicht gesehen und so schlossen wir uns in die Arme. Sie erzählte mir, dass sie in der Taverne kellnerte und ein mittelmäßiges Leben führe. Ihre Mutter, meine ehemalige Nanny hat ihr verboten, in mein Haus zu kommen. Sie glaubt, dass meine Eltern sie um Geld betrogen haben. Fortan trafen wir uns heimlich Nachts um Zeit miteinander zu verbringen.

Eines Nachts, wir saßen gerade in der Scheune, kamen meine Eltern plötzlich mit Soldaten der Navy rein und schrien mich an, ich solle mich von dem Mädchen fernhalten, sie übe eine schlechten Einfluss auf mich aus und habe uns beklaut. Ich hielt Katherines Hand und protestierte. Mein Vater erklärte mir, dass in den letzten Tagen mehrere Schmuckgegenstände verschwunden seien. Er hetzte die Soldaten auf das Mädchen los und als ich mich dazwischen stellte, wurde ich grob weg geschubst. Ich fiel mit dem Kopf auf den Amboss und verlor das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam lag Katherine in einer Blutlache auf dem Boden und meine Eltern beugten sich mit strengem Blick über mich, von den Soldaten fehlte jede Spur. Meine Eltern schrien mich an, es sei alles meine Schuld, wieso ich dieses Mädchen reingelassen hätte. Sie hatte versucht zu fliehen und die Soldaten haben sie einfach erschossen. Ich konnte es nicht fassen und kniete mich zu ihr, drehte sie um und sah mehrere Schusswunden. Ich nahm sie ein letztes mal in die Arme. Meine Eltern schrien weiter doch ich ignorierte sie. Mir wurde das einzige genommen, dass mir je etwas bedeutet hat. Verzweifelt und mit tränenden Augen griff ich nach der Sense an der Wand und tötete meine Eltern. Blutbefleckt und immer noch voller Zorn packte ich meine Sachen und mein Werkzeug und lies das Anwesen hinter mir.

Später erfuhr ich, dass Katherine unschuldig war und der wahre Dieb längst hingerichtet wurde. Das schürte meinen Hass gegen die Navy.

Ich folgte der Küste in Richtung Süden und ließ schon bald Hastings hinter mir und übernahm hier und dort kleinere Handwerksaufgaben, um mich über Wasser halten zu können. Nichts konnte die Leere in meinem Herzen stopfen und nichts den Hass gegenüber der Navy tilgen.

Wie wurde Nathan Pirat?:

Seit einigen Tagen unterwegs, ständig auf der Hut vor der Navy, traf ich in Weymouth ein. Es zog mich wie jedes mal, direkt in den Hafen. Ich setzte mich auf die Kaimauer und beobachtete das Treiben unter mir. Sofort viel mir eine Gruppe von Seeleuten auf, die alle ein gewisses glitzern in den Augen hatten. Sie schlenderten über den Steg und plauderten und lachten vor sich hin, als ob ihnen die Welt gehöre. Ich weiß nicht was es war, aber irgendetwas beeindruckte mich an ihnen. Ich folgte ihnen in die Hafenspelunke.

Kaum war ich eingetreten, wollten sich drei Kerle mit mir Prügeln, zwei Huren mit mir schlafen und ein besoffener Kerl mir von seiner Idee zum Reichtum, und dass wir die Welt beherrschen könnten, erzählen. Ich zog mich auf einen kleinen Schemel im Hauptraum zurück. Vorsichtig wie ich bin habe ich erst einmal etwas zu trinken bestellt und abgewartet. Es verging etwas Zeit, da trat einer der Seeleute aus einem Nebenzimmer und durch die offene Tür konnte ich einen Blick in den Raum erhaschen. Dort saßen einige Männer und ein paar Frauen an einem runden Tisch und feierten, als gäbe es kein Morgen. Einer von ihnen hielt sich eine Radschlosspistole vor die Augen und grübelte. Das weckte den Handwerker in mir. Kurzentschlossen betrat ich den Raum und ging auf den Mann zu. Ich wurde freundlich empfangen und noch freundlicher behandelt, als ich allen eine Runde ausgegeben hatte. Der Mann erzählte mir, dass seine Waffe defekt sei und nicht mehr richtig schieße. Ich zog das passende Werkzeug aus meinem Gürtel und mit zwei Handgriffen hatte ich sie repariert. Der Mann war sichtlich beeindruckt und bat mich, den Rest des Abends bei ihm zu bleiben.

Der Rest des Abends dauerte ganze drei Tage. Ich erfuhr, dass sie Piraten sind und über die Weltmeere segeln. Sie schwärmten nur davon, wie es ist, nur Wind und Wetter zu gehören und niemandem Rechenschaft fällig zu sein. Das gefiel mir immer mehr und mehr. Mit dröhnendem Schädel, einer leeren Geldkatze, aber neuer Freunde wurde ich auf das Schiff eingeladen. Ich sollte für einige Wochen mit an Board sein, die Ausrüstung Reparieren und Warten.

Als Weymouth am Horizont verschwand begriff ich, wieso ich all die Jahre aufs Meer geblickt habe. Mein früheres Leben bestand aus Studieren, Kontrolle, Gefangenschaft und Einsamkeit. In diesen wenigen Wochen auf dem Schiff habe ich gelernt wie es ist, wenn man richtig Lebt. Wenn man das, was man kann, auch wirklich einsetzen darf. Wenn man keine Kontrolle über dem hat, was passiert. Wenn man Frei ist und nur sich selbst, den Wind und den Wellen gehört.